Tohoku-Reise

Die Informationsquelle dieser Seite besteht grossenteils aus den beiden japanischen Zeitungen, Asahi und Nikkei. Diesmal möchte ich hier beschreiben, was ich in Tohoku mit eigenen Augen gesehen und direkt von Bewohnern vor Ort gehört habe. Ich bin vom 15. bis 18. Mai in der Region herumgereist.

Die erste Station heisst Koriyama in der Präfektur Fukushima. Dann reiste ich nach Kesennuma (Präfektur Miyagi) und weiter nach Rikuzen-Takada, Ofunato und schliesslich nach Kamaishi (Präfektur Iwate).

Es war eine Reise mit Trauer, Freude und Überraschungen.

Am Bahnhof Koriyama

Auf dem Bahnsteig des Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug) im Bahnhof Koriyama wartete auf mich Frau Minako Azami (siehe Bericht vom Mai und Juli 2011). Wir unterhielten uns in einem italienischen Restaurant im Bahnhofgebäude.

Frau Azami, eine ruhige Frau von kleiner Gestalt wohnt in der Stadt Sugakawa, etwa 60 km entfernt vom AKW Fukushima I. Neben Tanka, einem silbigen japanischen Gedicht, schreibt sie seit der Atomkatastrophe Leserbriefe an Zeitungen.

Reisfelder in Fukushima mit Hochspannungsleitung

Reisfelder in Fukushima mit Hochspannungsleitung

Im ihren ersten Brief, den die Asahi-Zeitung gedruckt hat, forderte sie die Leser auf, sich zu beruhigen und Fukushima zu besuchen. „Fukushima ist sicher, kein Panik!“. Sie bedauert dies heute. Damals, unmittelbar nach dem Atomunfall, versicherte der Professor Shun-ichi Yamashita von der medizinische Universität Fukushima fast täglich im Radio, dass es keine Gefahr mit der Radioaktivität besteht.

Sie glaubt heute seine Behauptung nicht mehr, und fürchtet, dass die Situation in Fukushima und der Umgebung nicht ernst genommen wird. Anfangs des Jahres hat sie sich verärgert und enttäuscht, weil kein japanischer Fernsehsender an Festtagen darüber berichtete, wie die Evakuierten und Menschen in Fukushima das Neujahr verbracht haben. Im Fernsehen wurden wie jedes Jahr nur spezielle Neujahr-Programme mit viel Lärm ausgetragen. 

Frau Azami, bald 50, musste selbst nicht evakuieren und wohnt heute auch so wie früher. Das Stadtbehörde misst regelmässig die Radioaktivität. Die Anzeigertafel an Strassen informieren den Bewohnern die aktuellen Werte. Frau Azami denkt nicht immer an die Radioaktivität. Aber als sie einmal ihre Schwiegereltern in der Präfektur Chiba besuchte, atmete sie paar Mals tief ein. Denn sie hat das Gefühl, dass in Sukagawa der Himmel immer mit radioaktiven Wolken bedeckt ist.

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