Stimme aus Fukushima im UNO-Menschenrechtsausschuss

Am 18. Oktober trat Frau Sonoda aus Fukushima vor dem UNO-Menschenrechtsausschuss in Genf auf. Dieses Organ überwacht die Vertragsstaaten in Sachen Menschenrechte und dies Jahr stand Japan auf dem Prüfstand. Sieben Minuten lang erzählte Frau Sonoda über ihre Situation nach der Atomkatastrophe von 2011 vor den Vertretern der UNO-Mitgliedstaaten.

Sie hat einen Sohn und lebt heute ausserhalb Fukushima. Sie kritisiert die japanische Regierung, die die Absicht hat, trotz nach wie vor hoher Strahlung die Menschen wie Frau Sonoda, die nach dem Unfall vom AKW Fukushima I die Präfektur verlassen hatten, samt Kindern in ihre Heimat zurückzubringen.

Frau Sonoda erreichte den Menschenrechtsausschuss mit Unterstützung von Greenpeace Japan. Ihr Speech ist hier zu hören.

Wassersituation in Fukushima

Wie ist die Situation mit dem verstrahlten Wasser beim AKW Fukushima heute? Fliesst nach wie vor eine grosse Menge vom radioaktiv verseuchten Wasser ins Meer?

Die Tokyo Zeitung berichtete am 13. September in der Online-Version darüber. Demnach fand man endlich den Anfang der Lösung.

Am effizientesten stellte sich sogenannte „sub-drain“ heraus. Eine Einrichtung, um das Grundwasser um die Blöcke herum heraufzupumpen und es nach der Dekontamination ins Meer abzulassen. Dank dieser Methode hat sich die Wassermenge, die sich in den Blöcken ansammelt, mit weniger als 50’000 Tonnen im Vergleich zum Zeitpunkt des Atomunfalls halbiert. Der Kernkraftwerk-Betreiber will bis November die Leistung des Systems verdoppeln.

Tepco trifft auch andere Massnahmen wie Eiswand und Grundwasser-Bypass, deren Wirkung jedoch unklar ist. Auf dem Gelände sind momentan insgesamt über eine Million Tonnen Wasser aufbewahrt. Das sind gemäss Tokyo Zeitung Tritium-Wasser und das radioaktive Cäsium und Strontium sind bereits weggenommen.

Die wahre Lage der Bestrahlungsdosis in Iitate

Die Tokyo Zeitung ist sehr wahrscheinlich die einzige, die über den Zustand des Kernkraftwerks Fukushima I regelmässig berichtet. Sie veröffentlichte im Juni auf ihrer Website eine Bestrahlungsdosis-Aufzeichnung von Herrn Nobuyoshi Ito.

Herr Ito wohnt in Niigata und arbeitet in Iitate, wo beim Atomunfall stark verseucht worden war und heute die Evakuierungsanordnung der japanischen Regierung grossenteils aufgehoben worden ist. Der 73-jährige trägt ein Dosimeter immer in seiner Brusttasche und zeichnet die Zahlen samt seiner Tätigkeit auf.

Das Rechercheteam studierte seine Daten von zwischen Juni 2016 und Mai 2017. Wenn man sich die Zahlen von einem Tag anschaut, merkt man sofort, dass die Bestrahlungsdosis des Tags, an dem er in Iitage länger als 16 Stunden verbracht hat, viel höher als sonst. An dem Tag, an dem er dort draussen arbeitete, belief sich die Dosis oft über 8 µSv. Wenn er sich hingegen in Niigata aufhielt, betrug sie bloss etwas mehr als 1 µSv.

In Iitate übernachtet Herr Ito in einem Cottage einer Schulungsstätte für Landwirtschaft, wo er seit 2010 als Hausmeister arbeitet. Das Haus steht vor einem kleinen Hügel. Selbst in dem Teil, wo dekontaminiert worden ist, machte die Strahlendosis immer noch fast 1 µSv pro Stunde aus. Jene des Wohn- und Schlafzimmers war mit 0.3 µSv pro Stunde auch relativ hoch.

Das Team zieht die Schlussfolgerung: „Es gibt eine Ansicht, die Bestrahlungsdosis sei überbewertet. Wir befürchten ganz im Gegenteil, dass sie unterbewertet ist. Denn der Grossteil der gesammelten Daten stammen von Geräten, die oft im Wohnzimmer oder Kleiderschrank zurückgelassen worden sind.

Fortschritt im Wiederaufbau

Die Zeit vergeht schnell. Und nach bald sechseinhalb Jahren ist die Zahl derjenigen, die nach der Erdbeben-, Tsunami und Atomkatastrophe ihren ursprünglichen Wohnort verlassen mussten oder wollten, von 470’000 auf 9’300 zurückgegangen. 84.5 % der öffentlichen Wohnungen für die Betroffenen sind heute fertig gebaut und fast 90 % der damals zerstörten Verarbeitungsanlagen für Fisch- und Meeresprokute sind wieder im Betrieb. Der Wiederaufbau in Tohoku scheint fortzuschreiten.

 

Immer noch bleiben indessen rund 50’000 Menschen in den provisorischen Fertighäusern, die unmittelbar nach der Katastrophe auf jedem grösseren Platz gebaut wurden. Die Zahl der Vermissten beträgt 2’550. In Folge der Katastrophe sind bis heute 3’591 Menschen gestorben. Die Zahl steigt noch, wenn auch nicht viel.

 

Interesse und Unterstützung für die betroffenen Menschen und Gebiete verschwindet immer mehr. Masahiro Imamura, der bis April als Wiederaufbauminister tätigte, äusserte sich zum Beispiel kurz vor seinem gezwungenen Rücktritt in einer Party seiner LDP, „es war doch so besser, dass die Katastrophe in der Region Tohoku heimsuchte“, als er über den Schaden in Personen und Infrastruktur erzählte. „Wenn es in der Nähe vom Hauptstadtgebiet passiert gewesen wäre, wäre ein sehr grosser, immenser Schaden entstanden.“ Das war allerdings nicht die einzige gedankenlose Aussage vom Ex-Wiederaufbau-Verantwortlichen, die die Gemüt der Betroffene verletzte.

Ein NPO setzt ein für die Gesundheit der Bevölkerung

Am 1. Mai wurde Mothers‘ Radiation Lab & Clinic Fukushima in Iwaki eröffnet. In dieser Klinik können Kinder im radioaktiv verseuchten Gebiet ihre Schilddrüse untersuchen lassen. Sie verfügt auch einen Ganzkörperzähler, der die Verteilung des radioaktiven Cäsiums im Körper misst. in Zukunft kommt ein Gerät für Messung des Cäsiums im Urin zum Einsatz. Gemäss des Klinikdirektors Misao Fujita ist diese Anlage so präzis, dass eine kleine Menge Cäsium, das der Ganzkörperzähler nicht gefunden hat, festgestellt werden kann. Mit der Blutentnahme wird der Hormonspiegel der Schilddrüse geprüft und nach Blutkrankheit wie Leukämie untersucht.

Die Klinik wird von der NPO „Iwaki Radio-Proof Centre, Tarachine“ betrieben. Sie wurde nach der Atomkatastrophe von Fukushima gegründet, damit die Betroffenen selbst vor den Auswirkungen der Radioaktivität schützen können. Seither messen die Mitarbeiter der Organisation die Radioaktivität im Nahrungsmittel sowie im Freien und veröffentlichen die Messresultaten. Sie setzen sich des Weiteren ein, in Zusammenarbeit mit medizinischen sowie naturwissenschaftlichen Experten die Tatsachen zu ermitteln, Messungstechnologien zu forschen und medizinische Erfahrungen zu sammeln.

Mehr Info über Tarachine:

http://www.iwakisokuteishitu.com/english/index.html (Englisch)

http://www.iwakisokuteishitu.com/french12/index.html (Französisch)